Farbkorrektur im Compositing

29 Mär 2009
Erstellt von Martin Frericks
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Compositing ist die Kunst, Videoelemente zusammenzufügen, die nicht aus der gleichen Quelle stammen. So ziemlich jeder Film, den wir im Fernsehn sehen, dürfte Szenen enthalten, in denen so etwas getan wurde. Seien es Partikel um Explosionen größer, extremer und deutlicher zu machen, oder Szenen wo die Schauspieler vor Blue- oder Greenscreens gefilmt wurden und nachher einfach in die Gegend hineingeschnitten wurden. Ein großes Problem (neben vielen anderen) ist die Farbabstimmung. Denn Bilder die nicht aus der gleichen Quelle stammen, stammen oft aus vollkommen verschiedenen Lichtverhältnissen und haben ganz "andere" Farben. Hier ein toller Workflow, mit dem man selbst auf Billig-Monitoren und ohne viel Talent zwei Elemente so farbkorrigieren kann, dass sie zusammen passen.

Ich verwende hier After Effects, aber die gleiche Technik lässt sich auch mit Photoshop oder anderen Video- und Bildbearbeitungsprogrammen durchführen. Die beiden Dateien (meadow.jpg und bottle.png) hab ich an diesen Artikel angehängt, falls ihr es direkt ausprobieren möchtet.

Die Waffe der Wahl heisst "Tonwertkorrektur" oder "Levels" (engl.). Importiert beide Bilder in euer Programm, legt die Wiese nach unten und die Flasche darüber. Jetzt wendet die Tonwertkorrektur auf die Flasche an.

Als erstes lasst ihr euch jetzt den Grün-Kanal anzeigen. In After Effects klickt man dafür unter der Kompositionsvorschau auf die drei kleinen Kreise und wählt Grün. In Photoshop gibt es einen Reiter "Kanäle", wo man alle bis auf den gewünschten Kanal ausblenden kann.

In der Tonwertkorrektur bleibt ihr im RGB Kanal. Jetzt benutzt ihr die Regler um die Flasche vom Kontrast her dem Hintergrund anzupassen. Wenn ihr nicht mit den Reglern vertraut seit, probiert erstmal ein wenig im RGB Modus herum, bis ihr eine Vorstellung habt, was Gamma und Input/Out White/Black bewirken. Schaut euch einfach an, wie "weiß" die hellsten Stellen im Hintergrund sind, und regelt die "Ausgabe: Lichter" oder "Eingabe: Tiefen" soweit herunter, bis es passt und dann macht das gleiche mit "Ausgabe: Tiefen" oder "Eingabe: Lichter". Dann regelt das Gamma um die allgemeine Helligkeit richtig einzustellen. Hier meine Einstellung für diesen Schritt.

Als nächstes schaltet eure Anzeige auf den Rot-Kanal um. Diesmal müsst ihr euch in der Tonwertkorrektur auf den Rot-Kanal schalten. Jetzt macht wieder den gleichen Vorgang wie eben. Diesmal wird alles nur auf den Rot-Kanal angewendet. Hier meine Einstellungen:

Abschließend müsst ihr alles nochmal für den Blau-Kanal erledigen. Schaltet also Ansicht und Tonwertkorrektur auf Blau um und macht eure Einstellungen.

Und ob ihr es glaubt, oder nicht: das war's. Das Bild ist jetzt farblich (für eine Arbeit von 3 Minuten) akzeptabel der Umgebung angepasst und kann vernünftig integriert werden. Schaltet eure Ansicht einfach auf RGB zurück und schaut euch das Ergebnis an.

Natürlich geht das noch besser, wenn ihr euch ein wenig mehr Zeit lasst mit den Einstellungen und euch genau die Höhen und Tiefen des Ursprungsbildes anschaut. Es kann auch Sinn machen, das Ursprungsbild zuerst farbzukorrigieren um es etwas satter und deutlicher zu machen und erst dann die Farbanpassung Der Flasche durchzuführen. Auch könnt ihr euch jetzt noch die Lichtverhältnisse des Hintergrundes anschauen (Sonne steht sehr hoch rechts oben außerhalb des Bildes) und dementsprechende Schatten in die Flaschengrafik integrieren. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Viel Spaß beim Ausprobieren.

AnhangGröße
bottle.png65.07 KB
meadow.jpg89.97 KB