Demo Aufnahme in Eigenregie - Aufnahme 1 (Schlagzeug)

Wenn das Equipment steht und alle sonstigen Vorbereitungen getroffen wurden, kann die eigentliche Arbeit beginnen. Los geht es mit der Mikrofonierung des Schlagzeugs.

Es ist wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass hier der Grundstein für die komplette Aufnahme gelegt wird. Positioniert die Mikrofone sorgfältig und prüft jedes einzelne Mikrofon ob euch der Ton gefällt. Zu sagen „kein Problem, das machen wir später in der Nachbearbeitung“ ist grundsätzlich schlecht. Wenn man die Gelegenheit hat in einem Tonstudio Songs vor und nach dem Mastering zu hören wird man feststellen, dass die Songs auch vorher schon sehr gut klingen. Gerade bei Aufnahmen mit günstigem Equipment sind die Möglichkeiten der Nachbearbeitung begrenzt. Löst so viele Probleme wie nur eben möglich direkt beim Erstellen des Quellmaterials.

Die Dreckspur

Oft wird vor der Aufnahme des Schlagzeugs eine Dreckspur mit der ganzen Band aufgenommen. Diese Spur ist eine Aufnahme des ganzen Songs und muss qualitativ nicht hochwertig sein, da sie später ausschließlich dem Schlagzeuger dazu dient sich während der Aufnahme im Song zurechtzufinden. Der Drummer hört dann neben einem Metronom die Dreckspur über einen Kopfhörer während er seine Parts einspielt. Nach meiner Erfahrung ist eine solche Spur nicht unbedingt notwendig. Wenn der Schlagzeuger sich gut vorbereitet sollte ihm der Ablauf des Songs bekannt sein, und je weniger er neben dem Metronom hört, desto besser. Das ist natürlich eine Frage des Geschmacks und es sollte vom Schlagzeuger entschieden werden, ob die Aufnahme einer Dreckspur sinnvoll ist.

Die Aufnahme des Schlagzeugs

Das Schlagzeug ist für gewöhnlich das erste und von der Mikrofonierung auch das komplizierteste Instrument, das aufgenommen wird. Hier stößt man direkt auf die erste Entscheidung, die einen riesen Unterschied in der Qualität machen wird. Wie viele Mikrofone benutzt man? Und mischt man alle Mikrofone auf einen Kanal herunter, weil die Soundkarte nur einen Eingang hat, oder nimmt man jedes Mikrofon auf einer separaten Spur auf? Bei der Aufnahme über einen Kanal ist es extrem wichtig, alle Mikrofone perfekt auszusteuern und auch die Lautstärken vorher genau einzustellen, da ihr nachher nicht mehr die einzelnen Teile des Schlagzeugs getrennt regeln könnt. Für gewöhnlich führt eine Aufnahme dieser Art zu sehr schlechten Ergebnissen und sollte auf jeden Fall vermieden werden. Mit einer Soundkarte mit mehreren Eingängen, könnt ihr die Mikrofone getrennt voneinander aufnehmen. Jedes Mikrofon bekommt in der Software eine Spur zugeordnet und nachher kann man z.B. Snare und Bass Drum getrennt voneinander bearbeiten, editieren, triggern, mit Effekten belegen u.v.m.

Bei der Mikrofonierung ist ist Probieren Probieren Probieren angesagt. Schlagzeug-Mikrofone können auf viele verschiedene Weisen angebracht werden, und der Sound, der nachher entsteht hängt nicht nur von der Positionierung sondern auch von der Beschaffenheit des Mikrofons ab. Meine Erfahrung mit Trommeln ist, daß der Sound "punchiger" wird, wenn man das Mikrofon etwas vom Schlagfell entfernt positioniert. Das geht jedoch auf Kosten des Klanges... eine Floor-Tom, die einen fetten vollen Sound haben soll, sollte also ein Mikrofon bekommen, daß relativ nah am Schlagfell steht. Eine kleine Tom die vielleicht mehr "punchen" als "klingen" soll, bräuchte dementsprechend ein etwas entfernteres Mikrofon. Bei der Snare gilt das gleiche: Ist das Mikrofon sehr nah am Schlagfell, hat die Snare einen längeren Nachklang, ist das Mikrofon ein Stück entfernt bekommt die Aufnahme mehr Punch. Probiert verschiedene Varianten aus, auch ob ihr das Mikrofon lieber am Rand der Trommel platziert oder eher über der Mitte. Alle Varianten werden verschiedene Sounds geben, aus denen ihr euch die passendsten raussuchen müsst.

Zu den Mikrofonen selber ist nur zu sagen, daß ihr Modelle mit hohem Schalldruckpegel nehmen solltet, um mehr "Punch" zu bekommen. Für eine Bassdrum und eine Snaredrum lohnt es sich evtl sogar Profi-Mikrofone auszuleihen. Diese beiden Teile des Schlagzeugs bestimmen entscheidend wie sehr eine Aufnahme später rockt :) Bevor ihr aber die Mikrofone auswählt müsst ihr außerdem wissen, welche Nachbearbeitungsmöglichkeiten euch zur Verfügung stehen. Eine der wichtigsten wird Triggern genannt und ist mittlerweile zu einer oft und gern genutzten Technik geworden.

Das Triggern ist die digitale Aufbereitung der Schlagzeug Spur. Der Vorgang klingt in der Theorie sehr einfach, erfordert aber in der Praxis ein wenig Erfahrung mit der benutzten Software. Angenommen die Bassdrum klingt nicht so druckvoll wie gewünscht. Dazu öffnet man die Spur der Aufnahme und lässt die Software erkennen, an welchen Stellen die Bass Drum angeschlagen wird. Dort werden Marker gesetzt und anschließend wird an allen Markern eine gesampelte Bass Drum, wie z.B. aus einem Drum Computer, eingefügt. Das führt dazu, dass man zwar den klaren und vollen Sound einer Drum Computer-Bass Drum hat, die Spur aber nicht nach Drum Computer klingt, da sie ja real eingespielt wurde. Die gesampelte und die echte Bassdrum können dann gemischt oder ganz ersetzt werden, ganz wie es dem Sound am besten dient. Dieser Vorgang lässt sich natürlich auch auf andere Instrumente wie z.B. die Snare anwenden.

Das Einspielen folgt als nächstes und ist oft der zeit- und nervenaufreibendste Teil der ganzen Aufnahme. Es macht keinen Sinn, dem Schlagzeuger auch nur die kürzeste Abweichung vom Click durchgehen zu lassen. Natürlich lassen sich einige Sachen auch später noch lösen, aber wenn der Drummer nicht den Click trifft, muss die Spur neu eingespielt werden. Andernfalls muss die Spur erst komplett überarbeitet werden, bevor ein anderer Musiker sein Instrument einspielt. Mit ein bisschen Pech lassen sich Click Fehler gar nicht mehr ausbügeln und der Fehler wird dauerhaft in der Aufnahme hörbar sein. Um es dem Schlagzeuger ein wenig zu erleichtern solltet ihr den Song in mehreren Teilen aufnehmen: z.B. zuerst alle Strophen und dann die Refrains. Die Stücke schneidet ihr dann nachher zusammen. Das Vorgehen macht natürlich auch bei allen anderen Instrumenten Sinn und führt oft sogar dazu, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Teilen angenehmer und fließender werden.

Die Nachbearbeitung der Drum Spuren ist absolute Geschmackssache. Techniken, wie das Triggern von Drums scheiden die Geister. Überlegt euch, was euch eurem Sound so nah wie möglich bringt. Alles ist erlaubt und fast alles ist möglich. Probiert verschiedene Equalizer Einstellungen für die einzelnen Drum Spuren aus. Probiert es aus, einen Hall-Effekt auf Snare und Bass Drum zu legen. Verwendet Kompressoren und nutzt die Möglichkeiten, die euch durch das Stereo-Prinzip geboten werden. Mit ein bisschen Geduld und genauem Hinhören werdet ihr auch rausfinden können, welche Effekte eure Lieblingsband auf den Drums verwendet. Erwartet nicht, die perfekte Einstellung an einem Tag zu finden. Manchmal dauert es Wochen bis man endlich mit dem Sound zufrieden ist und nicht selten sind es auch zufällige Situationen, in denen man aus Versehen einen anderen Regler dreht als man vorhatte und sich plötzlich alles zusammengefügt, wie man es besser nicht hätte machen können.

Im nächsten Teil gehe ich auf die Aufnahme von Bass und Gitarre ein.