Demo Aufnahme in Eigenregie - Aufnahme 3 (Gesang)

Die Aufnahme des Gesangs ist ein viel größeres Feld, als man vielleicht denken mag. Die Stimme ist nicht vergleichbar mit einem Instrument wie einer Gitarre oder einem Klavier, da der von der Stimme erzeugte Ton viel größeren Schwankungen unterliegt und nicht so leicht vorherzubestimmen ist.

Das eigentlich Singorgan entsteht erst in dem Moment, wenn die einzelnen beteiligten Bereiche Atem, Stimme und Resonanz zusammengeschaltet werden.“ (Sylvia Kottke, 2007)

Selbst ein trainierter Sänger wird nur unter hoher Konzentration dazu fähig sein, einen Ton zweimal so ähnlich zu singen, wie ein Klavier sie spielen könnte. Es ist also extrem wichtig, dass der Sänger sich vorher mit den Geräten vertraut macht und herausfindet, wie viel das Mikrofon „verzeiht“. Sehr gute Mikrofone liefern oft eine unbarmherzige Präzision in der Stimmaufzeichnung, die nur für Sänger mit jahrelangem Training von Vorteil ist, für Anfänger aber ein großes Problem darstellt. Jeder Schwanker in der Stimme, jedes Kratzen und jeder noch so knapp danebengesetzte Ton wird nachher deutlich hörbar sein. Nun ist natürlich keine Zeit da, den Sänger nochmal zwei Jahre zu einem Gesangslehrer zu schicken. Deshalb sucht euch das Mikrofon genau aus. Das teuerste ist nicht unbedingt das geeignetste.

Die Positionierung des Mikrofons spielt auch hier eine wichtige Rolle. Ein Großmembran Mikrofon sollte aufgrund seiner Windempfindlichkeit mindestens 20cm vom Sänger entfernt stehen. Es bietet sich an, einen Poppschutz in dieser Entfernung vor dem Mikrofon zu platzieren. So ist neben der Abschwächung der Explosivlaute auch der Abstand zum Mikrofon auf jeden Fall gewährleistet. Der Sänger hat außerdem einen Orientierungspunkt um sich nicht zu stark zu bewegen während der Aufnahme und das Mikrofon ist vor feuchter Aussprache geschützt. Es ist auch möglich den Notenständer so zu platzieren, dass der Sänger nicht zu nah an das Mikrofon geraten kann.

Grundsätzlich wird das Mikrofon so platziert, dass sich die Membran auf Höhe der Lippe befindet. Je nach Klangfarbe der Stimme kann diese Position allerdings variiert werden. Für die Aufnahme einer hellen, grellen Stimme kann das Mikrofon etwa auf Nasenhöhe mit einer leichten Neigung zu den Lippen ausgerichtet werden. Eine dunkle, nasale Stimme kann durch eine Platzierung unterhalb der Lippen mit einer leichten Neigung nach oben zum Gaumen aufgenommen werden.

Die Lautstärkeregelung auf dem Kopfhörer kann gebraucht werden, um den Sänger bei seiner Aufgabe zu unterstützen. Wird die Gesangsstimme auf den Kopfhörern etwas leiser abgespielt, wird der Sänger stärker gegen den Background ansingen und damit kräftigere Töne erzeugen. Dreht man hingegen den Background etwas leiser, lassen sich leise und ruhige Passagen besser realisieren.

Doppeln ist auch bei der Gesangsaufnahme Gang und Gebe. Auch hier ist es sinnvoll, die Spur zweimal aufzunehmen, anstatt sie zu kopieren oder elektronisch zu doppeln. Im Gegensatz zum Doppeln bei Instrumenten entstehen beim Gesang oft hörbare Abweichungen in den beiden Spuren, wenn Wörter in einem Konsonanten enden. Da Konsonanten aber stimmlos sind und deshalb beim Doppeln keine Rolle spielen, lässt sich das Problem lösen, indem in der zweiten Spur einfach der Konsonant weggelassen wird. Wird in der ersten Spur z.B. „Give me a break“ gesungen, dann singt man in der zweiten einfach nur „Give me a bray“.