Demo Aufnahme in Eigenregie - Mischen (Abhöre)

Sind alle Spuren aufgenommen beginnt der wirklich nervenaufreibende Teil der Arbeit: Das Mischen. Mischen bedeutet im Grunde, dass man jeder Spur den gewünschten Klang verpasst und alle Spuren in vernünftiger Lautstärke zueinander einstellt. Klingt einfach, ist es aber leider nicht.

Die Abhöre

Auch hier muss natürlich wieder mit Equipment gearbeitet werden, das von billiger Schrottware bis hin zu sündhaft teuren High-End-Produkten reicht (so langsam könnt ihr euch wahrscheinlich denken, warum Tonstudio-Zeit so kostspielig ist).

"Wie bei allen Komponenten eines HiFi- oder Studio-Systems, ist auch die Verwendung hochwertiger Bauteile bei einem Monitor-Lautsprecher ein wichtiger Punkt. Werden die Einzelteile sorgsam - per Hand - nach Symmetrie ausgewählt oder sogar extra entwickelt, kann man solche [großen] Preisspannen schon erklären. Einige Hersteller greifen beispielsweise in ihr normales HiFi-Regal, wenn es um Sicken- oder Membranmaterialien geht, andere entwickeln extra neue Stoffe, die dem Anspruch der angestrebten Linearität am ehesten gerecht werden." (Sascha Görgens, 2007)

Wie ihr seht müssen hier wichtige Entscheidungen getroffen werden, denn ihr müsst dafür sorgen, dass der abgemischte Song später auf allen erdenklichen Anlagen möglichst gleich klingt.

Deshalb ist es absolut verboten, einen Song auf einer Stereo-Anlage zu mischen. Die meisten Stereo-Anlagen (gerade die besonders teuren) veredeln den Klang, d.h. sie heben Bässe oder Höhen oder beides an. Angenommen ihr mischt auf einer solchen Anlage, die die Bässe sehr intensiv wiedergibt. Ihr werdet zwangsläufig das Gefühl haben, dass die Bässe bereits stark genug sind und diese ein wenig reduzieren. Hört ihr dann das Endprodukt auf eurer Anlage, so wird es super klingen. Lasst ihr den Song dann aber auf einem paar Kopfhörer oder einer Anlage ohne Bassanhebung laufen, wird der Song schwach und drucklos klingen. Da ihr niemals wisst, welche Anlage der Produzent/Agent/Radiomoderator/Fan gerade für das Hören eurer CD benutzt, müsst ihr einen absolut neutralen Klang schaffen. Das ist nur mit einer speziellen "Abhöre" zu bewerkstelligen.

"Ein Monitor dient nicht wie ein herkömmlicher HiFi-Lautsprecher zu Hause dem Hörgenuss. Ganz im Gegenteil soll er als "Werkzeug" die Schwächen einer Aufnahme gnadenlos aufdecken, damit der Techniker diese ausmerzen kann. Linearität im Frequenzgang ist dazu unerlässlich, was einigen "Otto-Normal-Hörern" zwar häufig als aufdringlich oder gar schmerzhaft erscheint, für eine absolut präzise Wiedergabe aber unerlässlich ist. Nur so ist es möglich, sich in feinen Schritten einem guten Endresultat zu nähern." (Sascha Görgens, 2007)

In vielen Foren und Diskussionsgruppen (vor allem im Bereich Hip Hop) wird oft empfohlen ein gutes paar Kopfhörer als Abhöre zu nutzen. Ich persönlich habe damit eher schlechte Erfahrungen gemacht. Kopfhörer vermitteln schnell den Eindruck, dass der Gesang zu leise ist, und dass der Mischung Höhen fehlen. Das Resultat: Ihr hebt den Gesang an und dreht die Höhen auf und auf einer normalen Anlage klingt der Gesang dann viel zu laut und viel zu grell.

Ihr kommt also nicht um den Gebrauch einer Abhöre in Form von Boxen herum. Offiziell werden die Dinger als Studiomonitore bezeichnet und sind bei jedem großen Musikhändler im Sortiment. Leider könnt ihr auch hier nicht nach Testberichten und Bewertungen gehen, sondern müsst euch die Boxen in jedem Fall selber anhören, bevor ihr welche kauft. Jeder hat andere Ohren und ein anderes Hörempfinden und Boxen die für den einen klar und deutlich klingen, sind für den anderen eventuell zu undefiniert. Dazu kommt, dass nicht jede Box zum Mischen von jeder Musik geeignet ist. Ein Testbericht über einen Studiomonitor könnte von jemandem geschrieben worden sein, der klassische Musik produziert, ihr aber wollt Rockmusik machen. Sucht euch also ein Geschäft, wo ihr die Monitore testen könnt, und nehmt eine CD mit, die möglichst genau dem Klang entspricht, den ihr selber auch erreichen wollt. Nur dann könnt ihr beurteilen ob die Boxen zu euch passen oder nicht.

Lasst euch von einem Verkäufer beraten, aber lasst euch keine Boxen aufschwatzen, nur weil der Verkäufer die Werte des Modells anpreist. Es gibt zwei hauptsächliche Dinge die ihr beachten müsst, und wenn die stimmen, dann kann es genauso gut das 200 Euro statt dem 2000 Euro Modell sein:

  1. Die Box ist ein Werkzeug, keine Stereo-Anlage. Es kommt nicht darauf an, dass die mitgebrachte CD "gut" klingt, sondern dass ihr möglichst alle Frequenzbereiche verzerrungsfrei hören könnt. Versucht rauszufinden, ob ihr alle Instrumente (inklusive jeder einzelnen Trommel oder jedes einzelnen Beckens des Schlagzeugs) gut hören könnt.
  2. Versucht herauszuhören, ob alle Frequenzbereiche in etwa gleich laut klingen. Wenn ihr das Gefühl habt, dass ein Instrument lauter ist als die anderen, dann fragt den Verkäufer ob er euch anhand eines Realtime Analyzers zeigen kann ob die Frequenzen dieses Instrumentes wirklich lauter gemischt sind, oder ob die Boxen "Schuld" daran sind (ein Realtime Analyzer zeigt den Pegel jedes einzelnen Frequenzbereichs einer Aufnahme an. Aufgrund des Prinzips der "Lautheit" kann man sich beim bloßen Hören da schon mal vertun. Mit einem Analyzer kann unmissverständlich genau festgestellt werden, welche Frequenzen mit welcher Lautstärke wiedergegeben werden).

Ein weiterer Punkt (der auch den Preis radikal beeinflusst) ist die Tatsache, dass es passive und aktive Studiomonitore gibt. Bei passiven versteht sich von selbst, dass ihr zusätzlich noch eine Endstufe anschaffen müsst. Dafür sind diese günstiger als aktive Studiomonitore, in denen die Verstärker bereits verbaut sind. Vieles spricht für aktive, und mindestens genau so vieles für passive Monitore. Aktive Monitore haben bereits passende Verstärker verbaut und deshalb auch sehr kurze Kabelwege von Verstärker zu Speaker. Im Gegensatz zu passiven befinden sich die Kabel dort auch bereits im abgeschirmten Gehäuse und sind nicht so anfällig für Störungen, die oft bei freiliegenden Kabeln auftreten. Allerdings haben passive Monitore den Vorteil, dass ihr mehr Einfluss auf die Gestaltung eures Klangs habt. Eine Endstufe auszutauschen ist bei passiven Monitoren ja kein Problem (bei aktiven aber so gut wie unmöglich). Außerdem könnt ihr bei passiven Monitoren eure Anlage fest in perfekter Position verbauen und die Endstufe in Reichweite positionieren. So müsst ihr nicht an die Boxen heranreichen können um die Pegel-Regler einzustellen.

Um ein paar Modelle für den Recherche-Ansatz zu nennen: Yamaha HS80M, Genelec 1029APM, Alesis MKII, Adam A7, Mackie HR824, usw.

Leider habe ich bisher noch nichts gehört von Angeboten, solche Monitore auszuleihen. Außer ihr mietet die Technik eines Tonstudios (was durchaus möglich ist, aber entgegen des Prinzips dieses Artikels verstößt, der ja gerade erklären soll, wie die Demo-Produktion ohne Tonstudio zu vollbringen ist).

Seid ihr dann im Besitz eines Monitorpaars, informiert euch, wie die Boxen korrekt positioniert werden müssen und dann nichts wie los.