Aus Web wird App - Die Verschmelzung aller Dinge geht weiter

Noch vor kurzem schrieb ich darüber, dass Google und Wikipedia ihre Webdesigns angepasst haben. Jetzt kommt Google erneut mit einer Designänderung daher. Und auch XING hat sein Gesicht verändert. Beide sehen jetzt aus wie eine App, nur im Browser. Der Trend ist überdeutlich: Web und App verschmelzen. Technisch macht es eh schon fast keinen Unterschied. Der Begriff "App" bezeichnet schließlich keine Technologie, sondern ein Konzept. Genauso wie es einst Begriffe wie "Handy" oder "Web" getan haben. Apps gibt es, seit es Mobiltelefone gibt. Damals nannte man sie noch Programme und sie kamen meistens als kleine Java-Pakete, die man umständlich aufs Handy kopieren musste, bevor man sie ausführen konnte. Aber hinter dem Namen "App" steckt eigentlich mehr als nur die Tatsache, dass es sich um ein Programm handelt. Als App bezeichnet man eine Anwendung, die sich über einen zentralen Store direkt über das Endgerät beziehen lässt, ohne dass man sich Sorgen über Kompatibilität, Zertifikate, Datenkabel, Synchronisierung etc machen muss. Was technisch hinter einer "App" steckt, spielt für den Nutzer keine Rolle und genau das ist auch Sinn der Sache. Im Endeffekt kommt es ja darauf an, dem Nutzer ganz unkompliziert zu geben, was er will: und das ist entweder Kommunikation oder Informationsbeschaffung. Also mutieren Smartphones oder Tablets von Geräten der Kommunikation zu Geräten der Informationsbeschaffung (früher Telefon, heute Internetgerät), weil gleichzeitig die Informationsmedien zu Medien der Kommunikation mutieren (früher informative Webseiten, heute soziale Netzwerke). Es ist wie ein beeindruckender pulsierender und sich ständig verformender Organismus.

Die einzig sichere Vorhersage die man über die Zukunft von all dem treffen kann ist, dass bald schon jeder mitmachen muss, wenn er nicht zum Einsiedler werden will. Und dass jeder, der mitmachen will auch einen Zugang braucht. Heute ist das der DSL-Anschluss oder der mobile Datentarif. Auch die werden auf kurz oder lang verschmelzen, welcher von beiden gewinnt ist noch nicht klar (mobile Datentarife sind nicht nur auf den eigenen Haushalt beschränkt, aber moderne selbstkonfigurierende Mesh Networks könnten bald schon die unbesiedelsten Gebiete mit WLAN versorgen und alle Mobilfunktürme mit kleinen solargetriebenen WLAN-Nodes ersetzen). Aber da die Anbieter von Mobilfunk und DSL ebenfalls gerade alle verschmelzen wird es vielleicht auch gar keine Frage von gewinnen und verlieren sein, sondern eher davon, welche Technologie sich durchsetzt. Und ob der Nutzer überhaupt etwas davon mitbekommt.

Aber zurück zum Thema: Im Moment verschmelzen gerade App und Web. Das macht auch nur Sinn, denn wenn eine App eine Anwendung zur Informationsbeschaffung/Kommunikation ist, dann ist sie nichts anderes als eine Webseite. Einziger Unterschied ist, dass eine App über ein Smartphone aufgerufen wird, während eine Webseite über einen Browser aufgerufen wird. Aber das ist für den Nutzer eigentlich irrelevant. Mit neuen Standards wie HTML5 und aus dem Boden schießenden Frameworks wie Sencha Touch oder PhoneGap wird das auch ganz einfach. Damit lassen sich Webseiten bauen, die sich auf dem Handy verhalten wie eine App, aber eigentlich eine Webseite sind. Also von einem zentralen Online-Server bereitgestellt werden und nicht lokal auf dem Gerät installiert sind. Die Onlinifizierung, die schon vor Jahr(zehnt)en die Computer dieser Welt erreicht hat, erreicht also auch so langsam die Telefone.

Was für Fragen stellen sich? Natürlich zum einen wer die neuen Player dieser neuen Trends sein werden. Bleiben es die alten, oder kommen neue aufs Spielfeld? Und es stellt sich die Frage, was als nächstes verschmilzt. Vielleicht sind die Telefone und Social Networks als nächste dran. Der Unterschied zwischen einer Facebook-Message und einer SMS ist eigentlich auch nur noch ein technischer. Und der Unterschied zwischen einem Telefonat und einer Skype-Konferenz ist auch rein technisch. Und - wir erinnern uns - technische Unterschiede sind für den Nutzer eigentlich irrelevant.