Türkei 2012 - Kuşadası Teil 13

Montag, 13.8.2012

Ich stehe früh auf und gehe zur Rezeption um zu klären ob wir auschecken können. Der Rezeptionist erreicht tatsächlich jemanden bei booking.com und die Buchung wird anstandslos geändert. Es fällt eine Umbuchungsgebühr von 18 Lira an, die wir gerne zahlen. Die Getränke und die Kosten für den Safe vergisst das Hotel zu berechnen. Die Buchhaltung in den Hotels hier ist echt miserabel. Vielleicht müssen die Verluste davon durch mickrige Frühstücke wieder ausgeglichen werden :) Aber eigentlich gehörte das Mavruka Hotel zu den Guten. In Kuşadası buchen wir das Hotel Altınsaray, ein Hotel an dem wir bei unserem ersten Aufenthalt öfter vorbeigelaufen sind und es sehr schön fanden. Wir packen also unsere Sachen und fahren los, wieder über Berge und durch Täler, an allen Orten vorbei, die wir auch schon auf dem Hinweg gesehen haben. Schließlich führt uns der Weg durch Aydın wo wir planen an einem McDonalds zu pausieren. Als ich auf dem Parkplatz einparken will kommt ein Kind angerannt und weist mich ein. Klar, dass das Kind sofort danach am Fenster steht und mir etwas verkaufen will. Eine ranzige Packung Taschentücher hält es in der Hand. Ich überlege, ob ich ihm eine Münze geben soll, einfach nur damit er mein Auto nicht aus Gehässigkeit zerkratzt. Gerade will ich ins Handschuhfach greifen da sehe ich wie zwei weitere Kinder angerannt kommen, alle mit Taschentüchern bewaffnet. Jetzt wird es uns etwas unwohl. Ich starte den Motor wieder und fahre weg, aber die Kinder rennen uns hinterher. Als ich anhalten muss um mich in den Straßenverkehr einzuordnen, stehen die Kinder wieder an unseren Fenster und klopfen wild dagegen. Ich sehe eine Lücke im Verkehr und trete voll aufs Gas. Gerade noch so davongekommen. Sowas haben wir den ganzen Urlaub noch nicht erlebt.

Mit 200 Puls und etwas geschockt fahren wir zurück zur Autobahn und setzen unseren Weg mit knurrendem Magen fort. Dabei hätte das gar nicht sein müssen, denn zwischen Aydın und Kuşadası gibt es so viele Köfteci (Frikadellenbrater) wie Obsthändler am Straßenrand. Gefühlt erscheint alle 500 Meter ein neues Schild am Rand mit einer neuen Imbissbude. Besonders kreativ sind die Frikadellen-Künstler nicht. Der erste heisst Köfteci Baba (Papa), der zweite Köfteci Dede (Opa), der dritte Köfteci Enişte (Schwager) und so weiter. Wahrscheinlich wurde die Kunst des Frikadellenbratens in der Familie weitergereicht. Dass es für die Relation zwischen Angebot und Nachfrage keinen Sinn macht, die Geschäfte alle nebeneinander zu eröffnen, ist erstmal nebensächlich. Wir entscheiden uns bei keinem zu essen und überlegen ob es nicht Sinn macht auch Köfteci zu werden. Köfteci Martin sozusagen.

Kurz vor Kuşadası halten wir noch in einem Outlet Store um ein kleines Häppchen zu essen. Das Outlet steht den Einkaufszentren in Deutschland und Holland in nichts nach. Allerdings auch nicht im Preis. Hier sind alle möglichen bekannten Marken vertreten und haben ihre Stores nach internationalen Standards eingerichtet. Dementsprechend machen auch die Shoppenden hier einen etwas betuchteren Eindruck als auf dem Bazar. Etwas überrascht sehen wir hier auch eine Deichmann Filiale.

Nach einer katastrophal stressigen Fahrt durch Kuşadası erreichen wir das Altınsaray Hotel, parken das Auto und schwören uns, den Wagen nur noch für die Abreise anzufassen. Die Rezeptionistin erklärt uns, dass unser Aufenthalt 250 Euro kosten soll. Als ich nach dem Lirapreis frage, rechnet sie irgendetwas aus und kommt auf 1250 Lira. Ich versuche auf Englisch zu erklären, dass das nicht sein kann und dass der Faktor bei etwa 2,2 liegt und nicht bei 5. Ich erklär ihr dass der Betrag bei etwa 550 Lira liegen müsste. Daraufhin teilt sie den Europreis durch 2 und kommt auf 125 Lira. Auch das stimmt natürlich nicht. Nachdem sie es nochmal ausrechnet und wieder auf 125 Lira kommt denke ich mir, dass ich nichts dafür kann, dass das Hotel Leute mit der Abrechnung beauftragt, die nicht rechnen können und will ihr die 125 Lira geben. Leider erscheint daraufhin ein anderer Angestellter, der die Sache in die Hand nimmt und uns den korrekten Preis berechnet.

Wir richten uns im Zimmer ein, prüfen die Klimaanlage die wirklich komplett Schimmelfrei zu sein scheint und entscheiden uns nochmal den Strand aufzusuchen. Auf dem Weg dorthin laufen wir an einer Familie vorbei die ihre Koffer gerade aus einem Auto mit einem Berliner Nummernschild auspacken. Wir sprechen sie an und erfahren, dass sie tatsächlich mit dem Auto in die Türkei gefahren sind. Ursprünglich hatten wir das auch mal vorgehabt: Mit dem Auto bis nach Italien und von dort mit der Fähre in die Türkei. Leider wurde die Fährverbindung eingestellt, weswegen wir auf Flug + Mietwagen zurückgegriffen haben. Offenbar fährt der erfahrene Deutsch-Türke aber nicht mit der Fähre, sondern einfach mit dem Auto übers Festland: Deutschland -> Österreich -> Slowenien -> Serbien -> Mazedonien -> Griechenland -> Türkei. Da Bulgarien zu kriminell ist, wird der Schlenker über Mazedonien und Griechland gemacht. Die restlichen Länder lassen sich offenbar gut befahren. Anhalten oder übernachten soll man wohl am besten gar nicht und wenn dann nur in Österreich oder Griechenland, nicht dazwischen. Die Fahrt von Berlin dauert dann 36 Stunden. Mal sehen. Vielleicht machen wir das beim nächsten mal auch so.

Kurze Zeit später liegen wir wieder am Ladies Beach in den Wellen und genießen es so richtig. Endlich ist wieder alles perfekt.