Rode VideoMic

Was tut man, wenn man krank in der Wohnung sitzt und sich auf nichts wirklich konzentrieren kann? Man lässt sich von einem DHL Boten wecken und nimmt ein Rode Videomic in Empfang.

Als ich die Größe der Packung sah, war schon klar, daß das Mikrofon in seinen Dimensionen den kleinen handlichen Canon HV20 stark überbieten würde. Im Endeffekt war "stark" noch untertrieben :)

Canon HV20 mit Rode VideoMic

Canon HV20 mit Rode VideoMic

Canon HV20 mit Rode VideoMic

Grund für den Kauf war das schwache Mikrofon im HV20. Durch das kompakte Design des Camcorders hörte man auf jeder Aufnahme starke Laufwerksgeräusche und beim Filmen von Livemusik war der maximale Schalldruckpegel des Mikrofons schnell erreicht, was zu grausiger Übersteuerung führte.

Das Rode VideoMic verspricht da um einiges mehr. Hier ein Auszug aus dem Datenblatt:

  • Frequenzgang von 40Hz ~ 20000Hz
  • Hochpassfilter zum Anpassen des Frequenzgangs auf 80Hz ~ 20000Hz (für den Fall daß basslastige Störgeräusche in der Umgebung vorhanden sind)
  • Maximaler Schalldruckpegel von 134 dB
  • Elastisch montiert auf einer "Spinne". So werden Störgeräusche, die durch das Handling des Camcorders und des Laufwerks entstehen, abgefangen.

Mit 134dB Schalldruckpegel, sollten sich die meisten Rockkonzerte filmen lassen :) Aber was nützt schon das Datenblatt. Hier ist Ausprobieren angesagt. Eine kurze Aufnahme von meiner Konzertgitarre überrascht mit brilliantem stögeräuschfreiem Klang und einer satten Dynamik, die die Nachbearbeitung mit dem Kompressor zu einem Spaziergang macht.

Die Spektralfrequenzanalyse deckt dann aber doch noch einen kleinen Makel auf:

Spektralfrequenzanalyse Rode VideoMic

Ich weiß, auf dem Screenshot sieht man nicht viel. Deshalb hab ich das ganze mal in Photoshop mit übertriebenem Kontrast versehen:

Spektralfrequenzanalyse Rode VideoMic

Was sieht man hier? Oben ist der linke und unten der rechte Kanal. Farbtöne die heller sind bedeuten mehr Lautstärke, dunklere Farbtöne sind sehr leise. Unten befinden sich die niedrigen Frequenzen, oben die hohen.

Man erkennt relativ deutlich die vier Anschläge der Gitarre, die hier in Form von vier Spitzen sichtbar werden. In den unteren Frequenzen zwischen 40Hz und 1kHz sind die Ausschläge deutlich laut (erkennbar durch die gelb/weißen Flächen), in den oberen Frequenzen bis 17kHz ist zum großen Teil nur Eigenrauschen. Kurioserweise erkennt man aber auch, daß bei ca 17kHz ein deutlicher Schnitt entstanden ist. Erst bei 18kHz wurden wieder ein paar kleine Peaks aufgenommen, die sich dann bis hoch zu 20kHz strecken.

Ein sauberer Schnitt dieser Art ist sicherlich nicht natürlich entstanden und deutet auf einen kleinen Mangel in der Aufnahme hin. Natürlich reden wir hier von 17-20kHz, also einen Frequenzbereich, den man mit dem menschlichen Ohr kaum noch wahrnehmen kann und in dem sich nur fiese grelle Hiss-Geräusche befinden, die den Gesamtklang allerhöchtens abrunden. Also kein Grund das Mikro als schlecht abzustempeln. Außer ihr wollt Buckelwahlgesang oder die Ultraschallorientierung von Fledermäusen aufnehmen...