Silverlight oder David gegen Goliat

Microsoft hat es irgendwie an sich bestehende Technologien zu nehmen und etwas eigenes daraus zu basteln. Jetzt kommt der Software-Riese mit einer neuen Technologie namens Silverlight (früher WPF/E oder auch Windows Presentation Foundation/Everywhere genannt). Mit Silverlight sollen grafische Elemente und Media-Daten in Webbrowsern dargestellt und animiert werden. Klingt irgendwie vertraut. Ach ja, da gibts doch seit 10 Jahren (1997) so ein Programm namens Flash, mit dem das auch geht.

Na gut, Silverlight ist kein billiger Flash-Abklatsch. Das Produkt ermöglicht es mit Hilfe einer Mini-CLR auch Programmcode in den Sprachen VB.net und C# zu nutzen. Das könnte dazu führen, daß die Grenzen zwischen herkömmlicher "Software", die auf einem Betriebssystem ausgeführt wird, und Web-Anwendungen verschmilzt. Sicherlich eine interessante Vorstellung.

Was nur stutzig macht ist, daß Microsoft ihr Silverlight so offensichtlich als Flash Konkurrenz präsentiert. Adobe gab neulich auf der IBC in Amsterdam noch bekannt, daß der Flash Player auf weit mehr als 90% aller internetfähigen Computer der Welt installiert ist (Flash Player Version Penetration). Dazu kommt, daß Ende des letzten Jahres noch angekündigt wurde, daß Adobe und Mozilla zusammen ein neues Open-Source-Projekt namens Tamarin gestartet haben, um Javascript und Actionscript zusammenzuführen und die Entwicklung von Webanwendungen reichhaltiger zu machen. Und was man auch nicht vergessen darf sind die abertausenden Hobby-Programmierer. Die Leute, die ein bisschen animieren und ein bisschen skripten können, aber keine Spezialisten oder ausgebildete Programmierer sind. Flash bietet auch für diese Leute die Möglichkeiten, ansprechende und professionelle Anwendungen zu schaffen.

Alles scheint so, als würde Microsoft versuchen im Jogging-Tempo auf einen mit Vollgas fahrenden Zug aufzuspringen. Bleibt abzuwarten, ob sie sich irgendwo festhalten können. Wahrscheinlicher ist, daß Silverlight ein Nischenprodukt bleiben wird.