Videobeleuchtung - Richtig und günstig beleuchten beim Videodreh Teil 1

Wenn man sich in Foren und Videoseite wie Vimeo oder Youtube umschaut bemerkt man oft, dass viele Hobbyfilmer danach streben, professionellere Videos zu produzieren. Vielleicht aus kommerziellen Gründen, vielleicht auch nur um sich von der gigantischen Gruppe der Webcam/Hobby/Homevideo-Filmer abzusetzen. Grundlagen wie "Stativ benutzen" und "nicht während des Takes zoomen" sorgen schonmal dafür, dass der Betrachter nicht sofort lahme Augen kriegt und genervt den Monitor ausschaltet oder auf Löschen klickt. Kreative Köpfe fangen irgendwann an sich das Equipment der "Großen" anzugucken und es nachzumachen. Größere Kameras, Bessere Objektive, Filter, Schwebestative, 35mm Adapter, und und und. Aber all diese Überlegungen und Neuanschaffungen entstehen aus dem typischen Gedanken, wie man sich und sein Equipment verbessern kann um Motive besser einfangen zu können. Stattdessen könnte man sich ja auch überlegen, wie man das Motiv verändern kann, um es besser zu machen. Und hier kommt die Beleuchtung ins Spiel.

Kaum ein Fotograf arbeitet ohne Blitz. In der Regel haben Fotografen mehrere Blitze, Reflektoren, Lichtstreuer und vieles mehr. Und außer der Tatsache, dass ein Fotograf nur 1 Bild schießt und wir 25 pro Sekunde, also ein Fotograf Blitze verwenden kann, während wir Dauerlicht benötigen, gibt es aus optischer Sicht keine Unterschiede zwischen Video und Foto. Es müssen also Lampen her, um ein Motiv besser ausleuchten zu können.

Die Leuchten

Studioleuchten sind zwar hervorragend in vielerlei Hinsicht, aber teuer. Unter 1000 Euro wird man kaum an ein vernünftiges Set von Studioleuchten kommen. Aber wie so oft bei Profi-Equipment, zahlt man hauptsächlich für Funktionen und Eigenschaften die den Workflow verbessern. Ist man bereit ein umständliches Handling und zusätzliche Vorarbeit in Kauf zu nehmen, kann man zumindest in den Anfängen zu billigen Alternativen greifen. Immer mehr Leute greifen beispielsweise zu den günstigen Baustrahlern.

Das gute an Baustrahlern ist, dass sie billig sind und extrem hohe Wattzahlen erreichen. 500 Watt Strahler mi Stativen bekommt man schon unter 20 Euro. Selbst 1000 Watt Fluter sind unter 30 Euro im Baumarkt erhältlich. Auch die Leuchtmittel - beim Baustrahler meist kleine längliche Halogenstäbe - kosten i.d.R. nicht mehr als 10 Euro und können leicht und problemlos ausgestauscht werden.

Leider gibt es auch sehr viele Nachteile von Baustrahlern, die man versuchen muss, durch zusätzliche Materialien zu beseitigen. Hierzu aber zuerst ein paar Grundlagen zum Thema Licht und Video.

Farbtemperatur

Farbtemperatur ist ein Wert der die Spektraleigenschaften von Licht beschreibt. Er wird als Temperatur bezeichnet, weil er die Temperatur beschreibt, auf die ein theoretischer schwarzer Körper erhitzt werden müsste, damit er Licht mit ähnlichen Spektraleigenschaften abgibt. Angegeben wird die Farbtemperatur in Kelvin, wobei die Größe eines Kelvin einem Grad Celsius entspricht.

Unser Auge ist in der Lage "weiß" zu erkennen, unabhängig von der Farbtemperatur des gegebenen Lichtes. Wenn wir uns draußen befinden können wir "weiß" eindeutig als "weiß" identifizieren. Ebenso wenn wir uns im Haus vor dem Kamin bei Feuerschein befinden. Eine Kamera kann das nicht. Sie muss in jeder neuen Lichtsituation neu eingestellt werden. Dazu ist der Weißabgleich da. Man richtet eine Kamera auf ein Objekt, von dem wir wissen, dass es komplett "weiß" ist, und drücken den Weißabgleich Knopf. Die Kamera stellt sich dann so ein, dass das fokussierte Objekt weiß ist und richtet das gesamte Farbspektrum danach aus.

Wenn wir jetzt den Weißabgleich vor einem Kaminfeuer machen und dann damit ins helle Tageslicht treten, wird das Bild plötzlich einen extrem starken Blaustich haben. Ganz einfach, weil Tageslicht (5000-6000 Kelvin) eine andere Farbtemperatur hat als Feuerschein (1500 Kelvin). Erst wenn wir einen neuen Weißabgleich bei Tageslicht machen, haben wir wieder ein korrekt justiertes Bild.

Um beim Weißabgleich auf Nummer sicher zu gehn, bekommt man in Fotofachgeschäften Karten die echt weiß sind. Wenn das Budget keine 2 Euro mehr zulässt, kann man natürlich auch ein Blatt Papier nehmen. Man kann allerdings auch interessante Effekte erzielen, wenn man den Weißabgleich absichtlich fehlschlagen lässt und dadurch die Szene einfärbt. Alles was man tun muss, ist einen Weißabgleich auf einem nicht-weißen Objekt durchzuführen. Das geht auch kontrolliert, in dem man der Kamera genau die Farbe als weiß verkauft, die das Gegenteil von der gewünschten Farbe ist. Das kann man ganz einfach mit einem Farbkreis herausfinden, denn da liegen die Komplementärfarben sich genau gegenüber.

Mischlicht

Verschiedene Farbtemperaturen sind also prinzipiell kein Problem, man kann sich ja auf jede Situation neu einstellen. Ein großes Problem ist aber das Mischlicht, also eine Lichtsituation in der man verschiedene Lichtquellen mit verschiedenen Farbtemperaturen hat. Wenn z.B. aus einem Fenster Tageslicht kommt, der Rest des Zimmers aber mit Kunstlicht ausgeleuchtet wird, kann man die Kamera nur auf eine der beiden Temperaturen, oder einen Zwischenwert einstellen. Das sorgt für Farbstiche in Teilen des Bildes oder im kompletten Bild. Mischlicht sollte also immer vermieden werden.

Und genau hier glänzen professionelle Studioleuchten. Diese können nämlich eingestellt bzw. eingekauft werden, dass sie alle eine identische Farbtemperatur haben. Baustrahler unterscheiden sich i.d.R. alle leicht voneinander. Zwar kann man damit anfangen, dass man alle Strahler und Leuchtmittel vom gleichen Hersteller besorgt, aber ein gewisser Unterschied wird trotzdem immer vorhanden sein. Testen kann man die Farbtemperatur der Strahler ganz einfach, indem man in einem komplett verdunkelten Raum eine weiße Karte mit einem der Strahler beleuchtet. Auf dieser Karte kann man dann einen Weißabgleich machen. Gute Kameras zeigen beim Weißabgleich den Kelvin-Wert des Lichtes an. Hat man Strahler gefunden, die nah beieinander liegen, kann man weiter arbeiten. Ist ein Strahler dabei, der sich stark von den anderen unterscheidet, sollte man auf diesen verzichten.

Ein weiterer Nachteil von Baustrahlern ist, dass diese fast immer Kunstlicht (zwischen 2800 und 3500 Kelvin) produzieren. Ein Einsatz von Baustrahlern bei einem Outdoor Shooting bei Tageslicht (5000 - 6000 Kelvin) führt also erneut zu einer extremen Mischlicht Situation. Professionelle Leuchten können Tageslicht produzieren. Für Baustrahler brauchen wir Filter.

Filter zur Korrektur der Farbtemperatur

Filterfolien die Kunstlicht zu Tageslicht wandeln, nennen sich CTB-Folien (Color Temperature Blue). Setzt man diese vor einen Baustrahler erhält man eine Farbtemperatur die Tageslicht entspricht. Zum Beispiel gibt es von der Firma LEE zahlreiche solcher Filter. Beispielsweise konvertiert der LEE 201 (Full CTB) Licht mit 3200 Kelvin in Licht mit 5700 Kelvin.

Andersrum geht das natürlich auch. Möchte man zum Beispiel in einem Raum filmen, aber das Fenster und die dahinterliegenden Motive sollen sichtbar bleiben, könnte man das Fensterglas mit einer CTO-Folie (Color Temperature Orange) versehen. Die LEE 204 (Full CTO) zum Beispiel konvertiert Licht von 6500 Kelvin zu Licht mit 3200 Kelvin. Vorausgesetzt der Raum wird innen mit 3200 Kelvin ausgeleuchtet, sollten dann sowohl Objekte im Raum als auch außerhalb des Fensters gleichzeitig ohne Farbstich von der Kamera aufgezeichnet werden können.

Andere Filter

Hat man diesen Nachteil eines Baustrahlers erstmal kompensiert, muss man sich mit dem nächsten beschäftigen. Das "Dimmen". Es ist unwahrscheinlich, dass man für den gesamten Verlauf eines Drehtages immer drei 500 Watt Baustrahler bei voller Leistung braucht. Zumindest eines der drei Lichter wird normalerweise nur dafür verwendet Teile des Motives, die noch zu dunkel sind, etwas auszuleuchten. Da mit voller Power gegenzuleuchten ist meistens zuviel des Guten. Baut man aber einen Dimmer zwischen Steckdose und Baustrahler, verändert sich bei jeder kleinen Änderung am Dimmer wieder massiv die Farbtemperatur. Drei unterschiedlich gedimmte Baustrahler haben drei komplett verschiedene Farbtemperaturen und werden dadurch unbrauchbar.

Dies lässt sich mit ND-Filtern (Neutral Density) lösen. Auch oft als "Graufilter" bezeichnet, reduzieren ND-Filter die Lichtintensität, ohne dabei die Farbtemperatur zu beeinflussen. Diese gibt es in unterschiedlichen Stärken, können aber auch mehrfach übereinander gelegt werden um eine stärkere Filterung zu bewirken.

Ein weiterer Anwendungsbereich für Filter ist die Diffusion oder Streuung von Licht. Ein Strahler erzeugt hartes Licht und produziert klar definierte Schatten hinter dem angestrahlten Objekt, genau wie die Sonne an einem wolkenlosen Tag. Ein Strahler der durch einen Streufilter strahlt, erzeugt weiches Licht und nur leichte, undefinierte Schatten, genaue wie die Sonne an einem bewölkten Tag. Beides kann nützlich sein bei der Ausleuchtung einer Szene. Für Lichtstreung kann man einfache Mittel, wie z.B. weiße Regenschirme nutzen, die man vor den Baustrahlern aufspannt, oder aber auch professionelle Filter. Beliebt sind hier zum Beispiel sogenannte Frost (Folie), Grid Cloth (Textil), oder Spun Filter (Textil).

Natürlich gibt es auch Farbfilter, die dazu verwendet werden um eine Szene in ein bestimmtes Licht zu hüllen. Dies kann man vor allem in der Fernsehserie CSI:Miami sehen, bei der beinahe jede Szene, egal ob drinnen oder draußen, mit orangen, blauen oder gelben Farben ausgeleuchtet wird.

Zuletzt sei gesagt, dass all diese Filter auch kombinierbar sind, man aber bedenken muss, dass ein Filter auch Licht schluckt, und zu viele Filter die Intensität der Lichtquelle stark reduzieren können. Außerdem muss man vor allem bei Baustrahlern sehr vorsichtig mit Filterfolien sein, da die Strahler extrem heiß werden und die Folien schnell Feuer fangen können. Eine sicherere, aber teurere Alternative wäre hier Glas.

[Die Fortsetzung zum Thema Beleuchtung ist noch in Arbeit, erscheint hier aber in Kürze]

Kommentare

Ich hätte da auch noch einen Tipp: Mittlerweile gibt es recht günstige LED-Video-Lichter, eines davon habe ich hier mal genauer unter die Lupe genommen: CN-126 Bin recht zufrieden damit! Diese China Dinger sind schon ziemlich stark, die Lichtfarbe ist allerdings etwas kühl.