Videobeleuchtung - Richtig und günstig beleuchten beim Videodreh Teil 2

Hat man sein Equipment zusammen, egal ob aus dem Bauhaus oder dem professionellen Lichtverleih, muss man lernen, wie man eine Szene richtig ausleuchtet. Absolute Grundlage sind 3 Strahler, aber oft reichen auch diese nicht aus. Zum Beispiel zur Ausleuchtung eines Bluescreens (oder Greenscreens) benötigt man wesentlich mehr Lampen.

Dreipunkt Beleuchtung

Die Dreipunkt Beleuchtung ist vielleicht nicht die aufregendste Methode eine Szene auszuleuchten, aber in der Mehrheit aller Fälle die solideste und zum Einstieg definitiv die geeignetste. Für eine Dreipunkt Beleuchtung, benötigt man 3 Lampen. Ein Spitzlicht, ein Führungslicht und einen Aufheller.

Das Führungslicht ("Keylight") wird in der Regel in der Nähe der Kamera platziert oder darüber um auf das Objekt hinunterzustrahlen. Letzteres ist oft sinnvoller, wenn man eine Person filmt, der in die Kamera schauen soll, damit man sie nicht blendet. Es macht Sinn sich grob an dieser Platzierung zu richten, aber innerhalb dieses groben Rahmens ein wenig varrieren. Ein niedriger platziertes Führungslicht produziert natürlich andere Schatten als ein höher platziertes, etc. Hier muss man seine eigenen Erfahrungen machen um diese Situationen beim nächsten mal besser einschätzen zu können. Man sollte mit der Intensität des Führungslichts allerdings sehr vorsichtig sein. Das Objekt soll nicht überstrahlt werden. Filmt man beispielsweise ein Gesicht oder ein anderes detailreiches Objekt, so kann eine Überbeleuchtung viele Details in der Aufnahme zerstören. Es macht auch immer Sinn, wenn vorhanden, die Zebra-Funktionen der Kamera zu nutzen um eine Über- oder Unterbeleuchtung besser zu erkennen.

Der Aufheller wird dafür benutzt Bereiche aufzuhellen, die durch das Führungslicht in Schatten geworfen wurden. Das können Teile des zu filmenden Objektes sein (z.B. leichte Schatten in einem Gesicht), oder auch Teile der Umgebung (z.B. ein Schatten den das von vorne angestrahlte Objekt auf die Wand hinter sich wirft). Auf der Kamera soll ja später alles natürlich aussehen, so als wäre die Kamera gar nicht da. Wenn dann hinter dem Filmobjekt ein dicker Schatten auf der Wand liegt, merkt der Betrachter intuitiv, dass hier Lampen verwendet wurden und die Szene verliert an Realität. Man kann natürlich auch mehrere Aufheller verwenden um unerwünschte Schatten zu entfernen. Eine bewährte Regel besagt aber, dass alle Aufheller zusammen niemals heller als das Führungslicht sein sollten, da das Bild sonst flach, also ohne viel Tiefe rüberkommt. Arbeitet man mit Baustrahlern macht es also Sinn, sich welche mit verschiedenen Stärken zuzulegen, oder sich mit einer Menge ND-Folie auszurüsten. Alternativ kann man auch Reflektoren verwenden. Im Prinzip reflektiert jeder Untergrund, aber gute Effekte erzielt man mit weißen Platten (z.B. aus Styropor aus dem Baumarkt) oder leicht verspiegelten Materialien. Im Low Budget Bereich eignen sich hier besonders die Reflektoren, die manche Leute im Sommer in die Windschutzscheiben ihrer Autos legen. Den Reflektor hält man dann so, dass er z.B. die Reste des Führungslichts genau in die noch schattigen Bereiche des Objektes reflektiert. Ein weiterer Tipp für den Anfang ist den Aufheller in etwa auf der Höhe des Objektes zu platzieren. Andere Winkel erzeugen oft nur neue unerwünschte Schatten. Natürlich sind das alles nur Faustregeln, die in keiner Weise Gesetze sind. Wahre Meisterwerke entstehen immer erst, wenn man auf kreative Weise die Regeln bricht. Aber um eine Regel kreativ brechen zu können, muss man sie erstmal kennen.

Zuletzt noch ein paar Worte zum Spitzlicht. Das Spitzlicht ist vielleicht das unscheinbarste, aber spannendste Element einer Dreipunkt Beleuchtung. Damit erreicht man, dass ein Objekt sich vom Hintergrund abhebt und erzeugt eine sehr angenehme Tiefe im Bild. Ein Spitzlicht wird hinter und oft auch über einem Objekt platziert. Der Sinn dahinter ist, dass das Licht die Rückseite des Objektes anstrahlt und einen hellen Rand um dessen Konturen erzeugt. Deshalb verwendet man für Spitzlichter auch nur selten Streufilter. Das Licht sollte eher hart sein um eben diesen Kontureffekt zu erzielen.

Bluescreen ausleuchten

Einen Bluescreen auszuleuchten ist schon etwas komplizierter. Hier werden mehr Lichtquellen benötigt als bei einer Dreipunktbeleuchtung, denn man braucht auf jeden Fall zwei getrennte Beleuchtungskreise. Einen für den Screen selber und einen für die Objekte vor dem Screen. Man sollte also zuerst den Screen ausleuchten.

Dazu platziert man am besten zwei Leuchten oben links und oben rechts, sowie zwei Leuchten unten rechts und unten links. Hat man keine zusätzlichen vier Lampen zur Verfügung kann man versuchen an den unteren Leuchten zu sparen. Aber je besser die Ausleuchtung, desto besser das Ergebnis. Die genaue Platzierung der Lampen sollte man so variieren, dass der Screen gleichmäßig beleuchtet ist. Um die Farbe des Screens zusätzlich zu unterstützen und eventuelle Falten oder Unebenheiten im Stoff zu übertönen, kann man an diesen Leuchten auch blaue bzw. grüne Filter nutzen.

Für die Objekte kann man dann wieder eine gewöhnliche Dreipunkt Beleuchtung nutzen. Ganz wichtig ist nur, dass alle Leuchten weiches Licht produzieren und keine harten Schatten auf den Screen geworfen werden. Außerdem sollte das Objekt auch in einem guten Abstand zum Screen sein. Je näher das Objekt am Screen steht, desto härter werden die Schatten und desto komplizierter wird der Freistellungsvorgang nachher. Den Weißabgleich sollte man dann natürlich auch mit einer Weißkarte innerhalb der Objektbeleuchtung und nicht in der Screenbeleuchtung machen.

Möchte man es richtig professionell angehen, sollte man sich auch ein wenig Gedanken über die spätere Komposition machen. Ziel einer Blue/Greenscreen Aufnahme ist es ja, das aufgenommene Objekt in eine neue Umgebung zu setzen. Diese Umgebung hat ihre eigene Beleuchtung und ihre eigenen Farbeigenschaften. Für eine richtig gute Aufnahme sollte man sich also zuerst über die Farbe des Screens Gedanken machen. Natürlich muss man sich in erster Linie daran richten, welche Farben des Objekt aufweist. Ist das Objekt eher bläulich (z.B. eine Person mit Bluejeans), geht natürlich nur ein Greenscreen. Aber ist das Objekt neutral und die neue Umgebung eher bläulich (z.B. ein wolkenfreier Himmel), macht vielleicht ein Bluescreen mehr Sinn, denn beim Freistellen des Objektes bleiben oft leichte Ränder in der Farbe des Screens übrig. Sind die Ränder in einer Farbe die in der neuen Umgebung nicht sonderlich auffällt, ist das Ergebnis realistischer.

Um noch einen Schritt weiterzugehen, könnte man die Farbtemperatur der neuen Umgebung analysieren und die Ausleuchtung des Objektes in einer ähnlichen Farbtemperatur vornehmen. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und wie immer gilt: entweder besseres Equipment und schnell zum Ziel, oder Low Budget Equipment und mühsam zum Ziel. Aber zum Ziel kommt man immer auf beiden Wegen.